
Daniel Sánches Arévalo ist der strahlende Sieger der achten HEIMAT EUROPA Filmfestspiele. Seinen Film „So klingt das Leben“ kürte Juror Rainer Bock zum besten modernen Heimatfilm. Die nach dem Schirmherrn des Festivals benannte Siegertrophäe „Edgar“ ging an die spanische Produktion mit dem Originaltitel „Rondallas“. Der Filmpreis ist mit 3000 Euro dotiert. Bock sagte in seiner Laudatio: „Wenn es darum geht, zutiefst zu berühren mit Lachen und Weinen, damit kann man mich sehr gut kriegen. Um so mehr, wenn hervorragende Schauspielerinnen und Schauspieler ihren Beruf so verantwortungs- und hingebungsvoll verstehen und ihn dementsprechend ausüben wie in diesem Film.“
Die Geschichte handelt von einem kleinen Fischerdorf in Galicien, das nach zwei Jahren der Trauer, bedingt durch einen tragischen Schiffbruch, wieder allmählich beginnt, die Freude zurückzugewinnen. Die Rondalla, eine Gruppierung traditioneller Musik, an der Alt und Jung teilnehmen, schließt sich wieder zusammen, um an einem Wettbewerb mit anderen Dörfern teilzunehmen. Zuversicht und positive Lebenseinstellung kehren zurück, die Menschen im Ort können wieder nach vorn schauen. „Die Art und Weise, wie sich dann dort begegnet wird – das erfüllt mein Herz mit großer Wärme und einer Sehnsucht nach einer Zeit, die war – und mir manchmal abhanden zu kommen scheint. Das alles schafft dieser Film ohne den Hauch von Zynismus oder der Banalität des Besserwisserischen“, so Bock. In einer ersten Reaktion per Videobotschaft freute sich Regisseur Daniel Sánchez Arévalo, dass der Film auch über die Grenzen Spaniens hinaus erfolgreich ist. „Das ermuntert mich und zeigt mir, dass wir eine gute Arbeit gemacht haben.“ Der Film lief einen Tag vor dem Finalabend, wetterbedingt nicht unter freiem Himmel auf dem Fruchtmarkt, sondern im Kinosaal. Die Preisverleihung erfolgte wieder auf der Open-Air-Bühne am Fruchtmarkt in Simmern bei frischen Temperaturen. Eine gute halbe Stunde als geplant startete der Finalabend, weil es zuvor noch leicht geregnet hatte.
Juror Rainer Bock hatte auch die Aufgabe, den besten Nachwuchspreis aus den 13 Filmen im „Edgar“-Wettbewerb auszusuchen. Seine Wahl fiel auf die dänische Produktion „Home“ (OT: Hjem) von Marijana Jankovic. „Dieser Film hat das Motto dieses wunderbaren Filmfestivals innerlichst beglaubigt. Was ist Heimat? Was bedeutet der Verlust von Heimat? Und kann Heimat wirklich da sein, wo man sich gerade befindet? Kann man Heimat etwa mitnehmen?“, fragte der Juror. Der Film zeichne sich durch eine erzählerische Reife aus, wie sie nur ganz selten bei einem Debütfilm zu finden sei. Die in Montenegro geborene dänische Schauspielerin durfte sich freuen, für ihr Erstlingswerk in Spielfilmlänge als Regisseurin gleich doppelt ausgezeichnet zu werden. „Ich bin sprachlos“, bekannte Jankovic in ihrer Videobotschaft. Aus tiefem Herzen dankte sie dem Publikum dafür, den Film angeschaut und für preiswürdig gehalten zu haben. „Ich widme den Preis meinen Eltern. Wir dürfen nie vergessen, woher wir kommen“, so Jankovic.

„Home“ handelt von einer Familie aus Jugoslawien, die sich in Dänemark ein besseres Leben erhofft und beschließt, auszuwandern. Weil aber nicht alle fünf Familienmitglieder mitkönnen, entscheidet der Vater, die beiden Söhne in Jugoslawien zurückzulassen, um sie später nachzuholen. Die jüngste Tochter wuchs in Dänemark auf. Der Nachwuchspreis ist dotiert mit 1000 Euro und wurde vom rheinlandpfälzischen Kulturministerium gestiftet. Zur Verleihung war Staatsekretär Denis Alt nach Simmern gekommen. Er lobte die Heimat Europa Filmfestspiele in höchsten Tönen: „Sie bieten beste Unterhaltung, bestes Niveau und große Begeisterung.“ Das Festival in Simmern habe sich für die Region zu einem Leuchtturm entwickelt. „Es ist ein sympathisches Festival, das Ambiente ist besonders, und so viele Ehrenamtliche machen mit. Man kann sich die Festspiele schon gar nicht mehr wegdenken“, sagte Alt und versprach im Namen seines Ministeriums im Hinblick auf die Zukunft des Filmfestivals: „Wenn Sie’s weiter auf die Beine stellen, werden wir es fördern.“ „Gerade die kleinen Festivals brauchen unsere Unterstützung“, betonte Juror Rainer Bock, als Moderator Holger Wienpahl ihn fragte, ob er gezögert habe, die Aufgabe als Juror zu übernehmen. „Überhaupt nicht, ich habe lediglich auf meinen Terminkalender geschaut, ob es passt.“
Es passte. Auch dass der Film „Home“ noch den Publikumspreis einheimste, der ebenfalls mit 1000 Euro dotiert ist. Mohammad Asefi, Präsident des Rotary Clubs Simmern-Hunsrück, der das Preisgeld stiftete, übergab den Preis. Sandra Burmann von der Programmgruppe bedankte sich beim treuen Publikum: „Ihr seid die Besten!“ „Ich war für zwei Wochen Teil einer Großfamilie“, sagte Burmann. Besonders die Herzlichkeit untereinander charakterisiere die Festspiele. „Das macht auch Heimat aus.“
Teil der Großfamilie geworden ist im zweiten Jahr ihres Mitwirkens auch die Jugendjury. Für sie war „Sunny Dancer“ von George Jaques der Siegerfilm, der sie wegen seiner jugendlichen Art ganz besonders überzeugt habe. „In unseren Augen hat der Film es geschafft, ernste Themen mit jugendlichem Leichtsinn zu verbinden. Als Coming-ofAge Film hat er gerade uns als Jugendliche berührt. Außerdem hat man sich durch die starken visuellen Stilmittel ganz besonders wohl gefühlt“, sagten die fünf Juroren auf der Fruchtmarktbühne. Die Produktion aus Großbritannien handelt von einem Sommercamp für an Krebs erkrankte Kinder. Hier können sie unter sich sein und werden nicht ständig an ihre schwere Krankheit erinnert. Ausgelassenheit, Spaß und die erste Liebe stehen für sie im Vordergrund. Mit viel Schwung erzählt, hat der Film ob seiner Thematik natürlich auch tragische Momente. Der 26-jährige Regisseur hat mit seinem zweiten Langspielfilm auf jeden Fall den Nerv der Jugendjury der Heimat Europa Filmfestspiele getroffen und gewann damit 1000 Euro Preisgeld, die die Hunsrücker Andarta-Stiftung für Kunst, Kultur, soziale und ökologische Projekte bereitstellte. Regisseur George Jaques dankte ebenfalls per Video. Die Auszeichnung durch die Jugendjury bedeute ihm sehr viel.
Jugendlich locker bei höchstem Niveau geriet auch die musikalische Gestaltung des Finalabends. Die Vokalgruppe German Gents faszinierte mit ihrem A-capella-Gesang das Publikum, das am Tag zuvor schon den Film-Klassiker „Comedian Harmonists“ von Joseph Vilsmaier genossen hatten. Und mit einem der großen Erfolge der Vokalgruppe aus den Goldenen Zwanzigern starteten das Quartett aus Berlin auch das Programm: „Mein kleiner grüner Kaktus“ riss die Zuhörer sofort mit. Es folgten weitere Klassiker der Comedian Harmonists, wie „Veronika, der Lenz ist da“ oder „Schöne Isabella von Kastilien“. Das junge Quartett lieferte neben dem perfekten Satzgesang mit makelloser Intonation nebenbei noch klasse Unterhaltung durch humorvolle Anmoderationen der einzelnen Lieder. Das Publikum war hingerissen und forderte energisch Zugabe.

Am Schluss des grandiosen Finalabends gab es dann noch starken Beifall für die Macher der Heimat Europa Filmfestspiele, die sich nach zwei Wochen Filmfestival auf der Bühne präsentierten. Das Team vom Pro-Winzkino, die Programmgruppe mit Kurator Janis Kuhnert, Sandra Burmann und Peter Huth, die Planungsgruppe mit Melina Michel und nicht zuletzt die vielen Helfer bildeten eine große Gruppe auf der Fruchtmarktbühne. Im Anschluss an Preisverleihung zeigte das ProWinzkino in den Kinosälen noch einmal die Siegerfilme „So klingt das Leben“ und „Home“. In Raum9 feierten Veranstalter und Gäste gemeinsam das Finale der achten Heimat Europa Filmfestspiele bis spät in die Nacht hinein. In den Gesprächen ging es hier und da auch schon um die neunten Heimat Europa Filmfestspiele. Moderator Holger Wienpahl hatte bei seiner Begrüßung hervorgehoben, dass in diesem Jahr ein neuer Besucherrekord aufgestellt worden sei. „Die 4500 vom vergangenen Jahr haben wir getoppt. Die exakten Zahlen haben wir noch nicht“, sagte Wolfgang Stemann vom Pro-Winzkino und verkündete die frohe Botschaft, die vom Publikum mit spontanem Applaus aufgenommen wurde: „Die gute Nachricht: Es geht weiter im nächsten Jahr. Es wäre Wahnsinn, wenn in dieser Stadt die Filmfestspiele nicht mehr stattfinden würden.“ Das Festival habe sich jedes Jahr ein Stück weiterentwickelt. „Die Zukunft des Festivals ist gesichert“, freute sich auch Stadtbürgermeister Andreas Nikolay. Es komme auch darauf an, dass die Pro-Winzler, die seit mehr als 40 Jahren ihr Kino in Simmern betreiben, Nachfolger finden. „Filmfestspiele ohne Stadt sind denkbar, aber nicht ohne Kino“, sagte Nikolay. Im kommenden Jahr geht es auf jeden Fall mit Humor in die nächste Runde. Das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz lautet 2027: „Wenn man trotzdem lacht – Scherz, Satire – und tiefere Bedeutung“.1
Herzlichen Glückwunsch und großer Respekt an alle Beteiligten, ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

Fußnoten
- Pressemitteilung der HEIMAT EUROPA Filmfestspiele, 23.8.2026 [↩]