Informationen rund um die HEIMAT-Trilogie von Edgar Reitz

Karin Rasenack ist tot

Karin Rasenack 20211

Wie mir Edgar Reitz persönlich mitteilte, ist bereits am 10. Juni in Hamburg Karin Rasenack im Alter von 87 Jahren2 verstorben. Sie wird Anfang Juli in Hamburg beigesetzt.

Karin wird allen HEIMAT-Freunden in ihrer Rolle als Luzie Simon unvergesslich bleiben.

Ich durfte Karin im Sommer 2021 in ihrem Haus in der Lüneburger Heide persönlich kennenlernen. Aus diesem Besuch ergab sich ein langes, sehr persönliches Interview, das weit über ihre Zeit im Hunsrück hinausgeht.

Ich erlebte Karin dabei als eine lebendige, kraftvolle Frau, die um ihre schauspielerischen Fähigkeiten wusste und voller Tatendrang steckte. Ihre zweite Leidenschaft war das Reisen. In den späten 1970er Jahren reiste sie mit dem Tanztheater Pina Bausch nach Indien, wo sie in seinem Ashram Bhagwan Shree Rajneesh (dem späteren Osho) erlebte. Sie lebte mit Eingeborenen in Papua Neu-Guinea. In den späten 1980er Jahren lebte sie sieben oder acht Jahre lang auf Formentera, wo sie sehr erfolgreich einen kleinen Laden betrieb, in dem sie aus alten indischen Saris hergestellte Kleidung verkaufte. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland fiel es ihr schwer, wieder in der Branche Fuß zu fassen. Trotz einiger Engagements konnte sie an den großen Erfolg von HEIMAT leider nie wieder anknüpfen. Gleichwohl verspürte sie noch bis ins hohe Alter einen unbändigen Drang, zu schauspielern.

Mit Karin hat uns ein sehr besonderer Mensch und eines der markantesten Gesichter der deutschen Schauspielkunst verlassen. Möge sie in Frieden ruhen.

Hier die offizielle Pressemitteilung im Namen der Angehörigen:

Wir verneigen uns – und nehmen Abschied von Karin Rasenack

Die deutsche und international bekannte Theater- und Filmschauspielerin Karin Rasenack ist im Alter von 87 Jahren unerwartet in Hamburg gestorben. Bekannt wurde Karin insbesondere mit ihrer Rolle als „Lucie“ im Filmepos „Heimat – Eine Chronik in elf Teilen“ (Regie: Edgar Reitz) sowie durch zahlreiche Engagements an renommierten Bühnen in Hamburg sowie Wiesbaden, Lübeck, Aachen und Buenos Aires.

Karriere und Leben

Karin Rasenack, tatsächlich geboren am 10. November 1938 in Berlin, prägte über Jahrzehnte hinweg die deutsche Kulturlandschaft. Irgendwann entschloss sich Karin Rasenack, ihr Geburtsdatum anders anzugeben. Ihr jugendliches Aussehen half ihr dabei. Nun wurde, für alle überraschend, ihr erfolgreiches Leben am Mittwoch, 10. Juni 2026 für immer beendet. Ihre Filme und viele schöne Erinnerungen an sie werden jedoch in all ihren Fans und Freunden sowie den Familienangehörigen weiterleben.

Bühnenerfolge

Sie stand auf den großen Bühnen in Deutschland wie dem Thalia Theater, dem Ernst-Deutsch-Theater und den Kammerspielen, wo sie insgesamt über 60 Rollen verkörperte. Viele erinnern sich gerne an ihre Darstellungen in Endstation Sehnsucht und Richards Korkbein. Auch mit Pina Bausch (Tanztheater Wuppertal) war Karin Rasenack auf Tourneen durch Europa und Asien („Die sieben Todsünden“).

Fernsehen & Film

Einem Millionenpublikum wurde Karin Rasenack besonders durch das Meisterwerk von Edgar Reitz bekannt: „Heimat“. Vielen ist auch die Serie „Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg“ ein Begriff, ausgestrahlt im Privatfernsehen von 1994 bis 1996. Seit 1976 hat Karin Rasenack mehr als 65 Fernsehrollen übernommen, darunter unter anderem sechs große Rollen in mehrjährigen Serien. 

Trauerfeier und Beisetzung

Die letzte Ruhestätte der Künstlerin wird auf dem Friedhof Ohlsdorf in der Nähe des bekannten Gartens der Frauen in Hamburg liegen.Die Teilnahme an der Trauerfeier ist – so wie es Karin wollte – dem engsten Familienkreis vorbehalten.

„In dieser schweren Zeit bitten die Familie und das engste Umfeld von Herzen um achtsamen Umgang mit ihrer Trauer, um Respekt vor ihrer Privatsphäre und darum, von direkten Medienanfragen abzusehen.“


Fußnoten
  1. Privatfoto, mir von Karin persönlich zur Verwendung auf Wikipedia.de Verfügung gestellt []
  2. offiziell war bisher in mehreren Quellen, so zum Beispiel auch auf ihrer Agenturseite, das Geburtsjahr 1945 angegeben, die unten folgende Pressemitteilung vom 24.6. schafft Klarheit. []