Im Alter von 85 Jahren ist in Ligurien (Italien) bereits am 18. April 2026 die Schauspielerin und Sängerin Heidi Stroh gestorben.
Sie spielte die Hauptrolle in Edgar Reitz ersten Langfilm Mahlzeiten, der bei den Filmfestspielen in Venedig 1967 als bestes Erstlingswerk ausgezeichnet wurde.



Edgar Reitz schreibt dazu: „Heidi Stroh war 1967 mit mir auf den Filmfestspielen von Venedig und erlebte dort mit uns den ersten Erfolg, mit dem der Neue Deutsche Film international bekannt wurde. Heidi Stroh wurde dann der Star der frühen Jahre und spielte in weiteren Filmen große Rollen Nach wenigen Jahren verblasste allerdings der Ruhm und Heidi versuchte ihr Glück als Schlagersängerin in Italien.
Ihr Tod setzt nun einen Schlusspunkt auf ihren wechselhaften Lebensweg. Für mich bringt die Nachricht viele große Erinnerungen an die Aufbruchsjahre ins Bewusstsein. Heidi Stroh war eine wichtige Figur in dieser Epoche des Deutschen Kinos.“
Auf Heidi Strohs Website ist dazu zu lesen: „Den endgültigen Durchbruch schaffte Heidi Stroh 1967 mit dem Kultfilm „Mahlzeiten“ unter der Regie von Edgar Reitz. Als Muse des Jungen Deutschen Films wurde sie über Nacht zum deutschen Leinwandstar. Der Film erhielt beim Internationalen Filmfestival von Venedig einen Sonderpreis, und Heidi Stroh galt als aussichtsreiche Anwärterin auf den Goldenen Löwen.“
Eine kleine Geschichte am Rande erzählt davon, dass es fast nicht zu dieser Besetzung gekommen wäre, und gibt auch Einblicke in das Wesen von Heidi Stroh. In seiner Autobiographie beschreibt Edgar Reitz ihre erste Begegnung so: „Am Tag ihrer Ankunft fuhr ich in Begleitung von Ula Stöckl zum Ulmer Hauptbahnhof [die Probeaufnahmen sollten in der hfg stattfinden], um Heidi Stroh abzuholen. Ich weiß nicht mehr, was wir erwarteten, jedenfalls alles andere als den Auftritt, den wir auf dem Ulmer Bahnsteig erlebten. Was da aus dem Zug stieg, war ein Verschnitt von Marlene Dietrich aus dem Blauen Engel und einem durchgeknallten Adelsfräulein beim British Champions Day in Ascot. Auf ihrem orangegelb gefärbtem Haarschopf trug Heid Stroh einen gewaltigen Hut, mit dem sie kaum durch die Wagentüre passte, dazu kamen Netzstrümpfe, Stöckelschuhe und eine Straßenboa um die Schultern. Es war ein Zirkusauftritt. Ihr Gesicht war derart überschminkt, dass wir zweimal fragen mussten, ob sie wirklich die Bewerberin aus Rom sei. (…) Wir waren sicher, dass beide Seiten sich getäuscht hatten: Sowohl wir bei unserer Einschätzung aufgrund der Agenturfotos als auch Heidi, die sich unter deutschem Film offenbar eine Mischung aus UFA und den Cinecittà-Studios in Rom vorgestellt haben mag. Also kamen wir zu dem Entschluss, offen mit ihr zu sein und gleich abzusagen.“ Dennoch verabredete man sich zu einem gemeinsamen Abendessen, „da es heute von Ulm aus keine Möglichkeit zur Rückreise nach Rom gebe. (…) Als ich am Abend mit Ula zum Hotel zurückkam, wartete da eine junge Frau auf uns, die wir nicht wiedererkannten. Die Schminke war abgewaschen, die Haarteile entfernt, sie saß da in Jeans und Strickjäckchen, kumpelhaft lachend, sie war wieder ein Mensch. Auch ihre affektierte Aussprache hatte sie abgelegt, und sie bewegte sich locker. Während des Essens beteiligte sie sich am Gespräch und ließ freimütig erkennen, dass sie seit Jahren versuchte, im Showgeschäft ihr Glück zu finden, dass ihr das allerdings immer wieder misslungen sein, wie man auch heute gesehen habe. Als wir sie zum Hotel zurückgebracht hatten, beriet ich mich noch einmal mit Ula. Sollten wir die Probeaufnahmen nach dieser Wandlung nicht doch versuchen? Ich habe die Rolle schließlich mit Heidi Stroh besetzt.“1

Edgar Reitz besetzte Heidi Stroh 25 Jahre später noch einmal in einer kleinen Rolle in der Episode Ansgars Tod in Die Zweite Heimat, dort spielt sie die Stiefmutter von Jean-Marie, die Pianistin Elisabeth Tacke-Webér. Heidi Strohs Wirken in Film und Fernsehen konzentrierte sich auf die 1970er Jahre. 1970 übernahm sie die Rolle der Lena Christ in Hans W. Geißendörfers Fernsehfilm Der Fall Lena Christ. spielte 1972 die titelgebende Hauptrolle im Tatort Kressin und die Frau des Malers und im gleichen Jahr eine größere Rolle in der Simmel-Verfilmung Der Stoff aus dem die Träume sind. Ihr Auftritt in Die Zweite Heimat ist laut Wikipedia gleichzeitig ihr letztes filmisches Auftreten.
Daneben auch im Theater, zum Beispiel an der Komödie Berlin und der Komödie im Bayerischen Hof München. 1976 gastierte sie bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Sie veröffentlichte auch weiterhin einige Schallplatten, auf denen sie als Sängerin zu hören war.2
Möge sie in Frieden Ruhen.


Fußnoten