Die folgenden Synopsen der 11 Folgen von Edgar Reitz' DIE ZWEITE HEIMAT sind an das Buch von Reinhold Rauh: Edgar Reitz - Film als Heimat, München (Heyne Filmbibliothek) 1993, S. 236-261 angelehnt und an zahlreichen Stellen von mir ergänzt und korrigiert worden. Die Bilder stammen aus dem vom WDR herausgegebenen Heft Klaus Ender: Die Zweite Heimat. Chronik einer Jugend von Edgar Reitz, Köln 1993, (c) WDR.

 

1. Film: Die Zeit der ersten Lieder (1960)

Hermann steht in Simmern kurz vor dem Abitur. Der Musiklehrer nimmt sich seiner ganz besonders an. Nachdem er das Abitur glänzend mit Eins bestanden und Lehrern wie Mitschülern sein prächtiges musikalisches Talent bewiesen hat, macht er sich, immer noch über die Geschichte mit Klärchen hadernd, nach München auf. Er will dort an der Musikhochschule das Komponistenhandwerk lernen. Erster Sendbote der verheißungsvollen Stadt ist Herr Edel, der im Zugabteil über Gott und die Welt schwadroniert.  Hermann kommt mit großen Augen im Bahnhof der riesigen Stadt an, wo Armin Harrys Weltrekorde in den Zeitungen angepriesen werden. Von seinem Lehrer hat er ein Empfehlungsschreiben an den Rechtsanwalt Dr. Bretschneider. Dr. Bretschneider kann ihm an diesem regnerischen Tag zwar mit keiner Unterkunftsmöglichkeit weiterhelfen, auch die ungarische Schneiderin nicht, Frau Moretti vom Nachbarhaus, die ihm aber zumindest ein Zimmer in Aussicht stellt. Dafür erbarmt sich Dr. Bretschneiders Angestellte seiner, Renate, mit dem breiten, warmherzigen Lächeln, und lässt ihn heimlich in ihrem Jungmädchen-Untermietszimmer schlafen. Am nächsten Tag geht Hermann ins Konservatorium und besteht die Aufnahmeprüfung. Schon vor der Prüfung hat er den Chilenen Juan kennen gelernt, der zehn Sprachen spricht und auch ein musikalisches Multitalent ist. Mit ihm wird er Zeuge, wie auf dem weiten, wie ein Symbol der Leere wirkenden Königsplatz ein Filmteam - Stefan, Reinhard und Rob - den Film "Brutalität in Stein" dreht. "Da sind lauter Filmteams - so hab ich mer München schon immer vorgestellt" kommt es Hermann staunend von den Lippen. Hermann macht nun in Kürze eine Reihe von Zufalls- und Schicksalsbekanntschaften, die ihn bei seinem neuen Lebensbeginn in München weiterbringen werden. In der Straßenbahn trifft er Clemens aus dem Hunsrück, der ihm in seinem Untermietszimmer beim kunstliebenden Kohlenjosef Unterschlupf gewährt. Im Konservatorium, wo er bei Nikos Mamangakis Musik studiert, sieht er erstmals, noch aus der Feme und mit staunenden Augen eine schöne Cellostudentin - Clarissa. Gleich darauf verschlägt es ihn in den Übungsraum der Komponisten Volker, Jean-Marie und Bernd. Sie sind schon in höheren Semestern und Anhänger der Neuen Musik.
Die ersten Tage und Wochen in München vergehen. Hermann macht sich kurz entschlossen zu Ruth von Zerboni auf, die ihn in die Geheimnisse des Hochdeutschen einweist. Er kommt der immer noch aus der Ferne umschwärmten Clarissa näher.  Irgendwann erfährt er, dass ein fremdes Mädchen in seiner bunkerähnlichen Wohnung nach ihm gesucht hat. Schließlich stellt sich heraus, dass dies Klärchen gewesen ist, die ihrem schmerzvoll Geliebten dann noch einen Brief zukommen lässt.


2. Film - Zwei fremde Augen (1960/61) 

Während der sensibel-warm lächelnde Juan mit Clarissa in Wasserburg kurzzeitig von Mutter Lichtblau, der Mutter Clarissas, verköstigt wird, bleibt Hermann verlassen, unverstanden und erfolglos zurück - "Und ich bin nicht einmal der Drittbeste." Er schlägt sich, ohne Geld von zu Hause und Gelegenheitsjobs suchend, durchs Studentenleben. In der gemeinsamen Wohnung fühlt er sich, mit Clemens' Schlagzeuger-Lärm im Ohr und dessen Mädchenbekanntschaften im Blickfeld, nur noch verlassener. Er versteht die Welt erst recht nicht mehr, als ihm Frau Moretti schluchzend gesteht, dass die bei ihr deponierten Wertsachen plötzlich verschwunden sind. Und er muss nach einem als großen Erfolg aufgenommenen Konzert bei einer reichen Familie feststellen, dass er und seine Begleiter mit einer einzigen Weinflasche abgespeist werden - "Chateau Lafitte" steht auf dem Etikett. Während dieser Zeit geben nun die sich genial gebenden Volker, Jean-Marie, Bernd, alle in Badehosen, und Clarissa vor einem belustigten, begeisterten und geschockten Publikum ihr erstes atonales und fast lautloses Konzert. Danach treffen sich alle in einer verräucherten Schwabinger Kneipe. Hermann, mit Renate im Schlepptau, hat jetzt zum ersten Mal die Chance, Clarissa näher zu kommen, wird aber immer wieder von Renate zurückgepfiffen. Mitten in der bunten Gesellschaft ist auch die Verlegerserbin Frau Cerphal. Großzügig lädt sie alle ein, bei ihr, im Fuchsbau, weiterzufeiern.
Alle kommen mit: Hermann und Renate, Juan und Clarissa, Stefan, Reinhard und Rob, Volker, Jean-Marie und Bernd. Mit dabei ist auch Ansgar, der Medizinstudent und Hermanns Bekannter vom Studentenschnelldienst, der auf die spröde Lyrikerin Helga ein Auge geworfen hat. Der Philosophiestudent Alex sitzt am Küchentisch und isst sich voll. Olga ist mit von der Partie. Aber Hermanns sehnlichster Wunsch geht nicht in Erfüllung. Statt bei Clarissa landet er bei der Ulmerin Renate im Bett. Die nächsten Tage kommt dann unerwarteter Besuch. Hermanns Förderer aus Simmern, der Musiklehrer, steht vor der Tür. Er will sich mit einer heiß und heimlich geliebten Schülerin und Hermann das Münchner Nachtleben ansehen. Aber Hermann wird übel, und am nächsten Tag ist er todkrank. Schließlich bahnt sich in den Wintertagen von 1961/62 eine merkwürdige, eigentlich unmögliche Freundschaft an, die Hermann kuriert. Juan hat sie schon heiß geküsst, und auch Hermann kommt Clarissa im Treppenhaus noch ganz nahe, küsst sie innig - und muss dann, als er schon kurz vor dem Ziel ist, vor einem Hausbewohner die Flucht ergreifen. Aber als Clarissa, Juan und Hermann sich vor einem Kino treffen, beschließen die drei, dass sie Freunde sein wollen - und sind dann zu Tode erstarrt. Vor ihnen liegt der Spät-Dadaist Herr Edel, der sich schon mit Sentenzen wie "Suche uns nicht in der Unterführung sondern verüble uns nicht die Erlösung" verewigt hat, mit einer Wermuth-Flasche tot im Schnee.


3. Film: Eifersucht und Stolz (1961)

Nachdem sie ihrem Vater die letzte Ehre erwiesen hat, macht sich Evelyne von Neuburg nach München auf, wo sie nach ihrer Mutter forschen will, die zeitlebens vor ihr verborgen gehalten worden ist.
Ihre erste Anlaufstation ist der Fuchsbau, wo ihre Tante, Frau Cerphal, wohnt. Erst einmal wartet Evelyne den halben Tag auf Frau Cerphal, wobei sie von der Haushälterin umsorgt wird, und gerät dann mitten in ein "Sommernachts-Fest" hinein.
Längst ist Frau Cerphals Fuchsbau zum offenen Haus für Schwabinger Jungkünstler geworden. An der Wand hängen die bunten Plakate von "Bitterer Reis" oder "La dolce vita". Hintereinander kommen sie ins Zimmer. Stefan, Reinhard und Rob sind schon da. Eine Jungfilmpremiere ist angesagt: ein Film über die Ruinen des Nationaltheaters und der Residenz - für den die drei aber weder Verleih noch FBW-Prädikat bekommen haben. Die Filmaufführung mit den gespenstischen Ruinen vergangener Herrlichkeiten wird mit großem Applaus aufgenommen. Dann wird gefeiert. Während die Gläser klirrend aneinander schlagen, kommen in der lauen Sommernacht allmählich auch Feindschaften und Eifersüchteleien auf. Hermann fällt der Eifersucht von Clarissa zum Opfer, weil er vor ihren Augen im Dunklen Helga küsst. Evelyn verliebt sich in Ansgar und bekommt deshalb den Zorn der eifersüchtigen Olga zu spüren, die bei Tabletten und Opiaten Trost sucht. Es ist ein großes Fest mit Versöhnungen und Feindschaften.
Nachdem dann alle wieder nüchtern geworden sind, machen sich die drei Jungfilmer auf, um an allen möglichen und unmöglichen Plätzen ihren Aufkleber mit "Papas Kino ist tot" anzubringen. Evelyne kann dagegen mit Hilfe der Haushälterin von Frau Cerphal und ihres neuen Liebhabers Ansgar die Adresse einer Tante ausfindig machen, von der sie bisher nichts gewusst hat. Die Tante, eine Milchverkäuferin, erzählt ihr dann die Geschichte ihrer sehnsüchtig gesuchten Mutter, die in den Münchner Bombennächten ums Leben gekommen ist.
Auch Hermann und Clarissa versuchen ins Reine zu kommen. Hermann schreibt Clarissa einen Liebesbrief, in dem er ihr seine reine, wahre und durch das Sommernachtsfest nicht gestörte Liebe gesteht. Allerdings gelingt es ihm nicht, diesen Brief Clarissa zukommen zu lassen. Das Gleiche passiert Clarissa, deren Liebesbrief bei Hermann deshalb lange Wochen nicht ankommen kann, weil er an "Hermann Simon, München" weiter nichts, adressiert ist. Nachdem ihre schriftlich abgefassten Liebesschwüre so ins Leere gelaufen sind, treffen sie sich doch noch zufällig, planen auch, gemeinsam Musik zu machen, kommen sich körperlich immer näher - und besinnen sich überstürzt doch wieder ihrer Musik. Nach einem langen Spaziergang gehen sie wieder unter vielen weiteren Missverständnissen auseinander.


4. Film: Ansgars Tod (1961/62)

Clarissa setzt jetzt ganz auf ihre Fähigkeiten als Cellistin. Vom alten, vermögenden und sie umschwärmenden Dr. K. hat sie ein kostbares Cello geschenkt bekommen. Sie übt, bis die Sehnen schmerzen. Schließlich gewinnt sie mit dem kostbaren Cello und einem von Hermann komponierten Stück den ersten Preis beim Wettbewerb. Sie wird daraufhin zu einem Gastspiel nach Neuburg engagiert und alsbald als neues Cello-Wunder gefeiert. Hermann muss davon und auch nur durch Zufall aus der Zeitung Kenntnis nehmen. Dass Clarissa ausgerechnet mit seinem Stück Furore macht, lässt ihn nur noch deprimierter zurück. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als ohne Clarissa seine eigene Karriere vorzubereiten und auch auf diese Weise Trost zu finden. Er wird dann nach einem von ihm komponierten Stück, bei dessen Aufführung die in einen Blasebalg gewandete Frau Moretti ihren Solo-Auftritt hat, sogar frenetisch umjubelt und trifft auch noch Clarissa. Es kommt zu einem vorläufig letzten Treffen zwischen beiden.  "Wir sind eben Igel" gestehen sie sich gegenseitig ein und gehen dann wieder ihrer getrennten Wege.
Auch Ansgars und Evelyns Wege werden sich trennen - nur viel weiter und noch schmerzlicher. Wenn Hermanns und Clarissas Liebe von innen heraus unmöglich gemacht wird, so geschieht dies bei Ansgar und Evelyn von außen. Schon in den ersten Tagen seines Verhältnisses mit Evelyn lässt ihm Olga ihre Eifersucht spüren, als sie mit der Winchester spielerisch auf ihn zielt. Ansgar gibt jetzt auch sein Medizin-Studium auf, arbeitet als Schaffner hei der Straßenhahn und wird immer perspektivloser, worauf er zu Opiaten greift.  Die besorgten Eltern besuchen ihn, beschwören ihn, sein Leben zu ändern, und können ihn und seine neue Freundin nicht mehr verstehen. Ansgar lässt die bestürzten und fassungslosen Eltern in seiner Wohnung zurück.
Es ist Faschingszeit. Ansgar und Evelyn sind zu einem seit langem angekündigten, großen Kostümball im Fuchsbau eingeladen. Ansgar muss vorher nur noch eine Schaffner-Tour machen. Derweilen kramen Frau Cerphal und ihre Jungkünstler die verstaubten Maskaraden aus den alten Beständen - darunter ein großes Gemälde mit den großen Münchner Schriftstellern Max Beckmann, Thomas Mann, Bert Brecht und Lion Feuchtwanger. Ansgar steigt in die anfahrende Straßenbahn. Die Faschingsgesellschaft mit den bizarren Masken trinkt, johlt, musiziert und tanzt. Ansgar kann nicht richtig aufspringen, wird von der Straßenbahn mitgeschleift und kommt vor den Augen Evelyns ums Leben. Der Schwabinger Künstlerfasching erreicht seinen Höhepunkt. Evelyn kommt zur Tür herein und verkündet Ansgars Tod. Im Nachspiel streitet sie sich mit der Mutter noch um Ansgars Hinterlassenschaften.


5. Film: Das Spiel mit der Freiheit (1962)

Hermann verdient sich jetzt als Musiklehrer sein Studium und gibt dem unbegabten Sohn einer reichen Münchner Familie im Turmzimmer Klavierunterricht. Noch lehnt er das Angebot der Familie ab, mit ihnen auf Sylt den Urlaub zu verbringen und dabei seinen Unterricht fortzusetzen. Aber in Kürze überlegt er es sich anders.
Die Schwabinger Krawalle vom Juni 1962 sind ausgebrochen. Die Polizei macht mit dem Knüppel Jagd auf alles, was jung ist. Auch den völlig ahnungslosen Hermann trifft es. Seine Gitarre wird kurz und klein geschlagen. Als er sich darüber auf dem Kommissariat beschweren will, kann er nur noch in aller letzter Sekunde der Verhaftung der Polizei entgehen, die ihn flugs zu einem Rädelsführer gemacht hat. Auf seiner Flucht entsinnt er sich nun seiner Einladung nach Sylt, wo er einige Zeit untertauchen will.
Auf der Fahrt nach Norden kommt er in der Nähe von Dülmen vorbei, dem Heimatort von Helga. Auch Helga ist nach Hause gefahren, wobei sie in rheinischen Bahnhöfen noch die Spuren ihrer Filmerkollegen entdecken konnte: "Ist gestern morgen?" oder "Es lebe das Individuum!" ist dort auf den Aufklebern zu lesen. Als sie jetzt in Dülmen bei ihren Eltern ist, steht nun plötzlich der ausgehungerte Hermann mitten in der Nacht vor ihr. Zusammen mit ihren Freundinnen Marianne und Dorli feiert Helga die Ankunft Hermanns in Dülmen. Bei dicken Torten und Wein werden dem in Schwabing blutig geschlagenen Heros von den drei Frauen die Wunden sprichwörtlich geleckt. Die Mütterlichkeit und Betulichkeit nimmt immer eindeutigere, sexuelle Formen an, bis Helga plötzlich ohnmächtig zu Boden sinkt. Damit ist dieser Abend vorbei. Am nächsten Tag wird Helgas 23. Geburtstag gefeiert. Eigentlich ist bei Helgas Eltern, bei Dülmener Spezialitäten, verkorksten Witzen und platten Sprüchen für Erotik überhaupt kein Platz. Aber wie in einem schwülen Gewächshaus wuchern in der nach außen hin so sorgsam abgeschirmten Spießbürgeridylle die Sexualtriebe. Während oben das Loblied auf die Provinz angestimmt wird, befummeln sich die eingeladenen Hermann, Marianne und Dorle unten mit den Füßen. Schließlich endet das Festessen mit einem Eklat. Helga schließt sich mit Hermann provokativ im Zimmer ein. Oma, Mutter und Vater Aufschrey toben vor der Zimmertür. So kann aus Helgas sehnlichstem Geburtstagswunsch natürlich nichts mehr werden. Aber es kommt noch schlimmer. Hermann hat schon vorher eine offenherzige Einladung der Strohwitwe Marianne zugesteckt bekommen und folgt dieser noch in dieser Nacht. Dorli und die bis ins Mark getroffene Helga bemerken dies, worauf es für Hermann in Dülmen endgültig nichts mehr zu suchen gibt.
Er fährt nach Sylt weiter. Dann haben sich auch in München die Wogen wieder geglättet, und Hermann kann sich vom auf Sylt verdienten Geld eine neue Gitarre kaufen.


6. Film: Kennedys Kinder (1963)

Der 23. November 1963. Während unablässig der Regen herunterprasselt, bereitet Hermann im Fuchsbau das neue Konzert der Gruppe "Spuren" vor. Die dafür vorgesehenen Plakate sind im ganzen Zimmer zum Trocknen ausgelegt. Da passiert auch schon das erste Unglück des Tages: ein Baum, der gerade gefällt wird, kracht irrtümlicherweise durch die Fensterscheiben mitten auf die Plakate. Kurz darauf steht nach langer Abwesenheit plötzlich Clarissa im Raum und bittet Hermann um 800 Mark, die dieser aber nicht hat. Clarissa macht sich zu Jean-Marie und Volker auf und bittet sie um die gleiche Summe. Einer von beiden muss nämlich der Vater des Kindes sein, das Clarissa erwartet und das sie abtreiben lassen will. Für den konsternierten und steinreichen Jean-Marie ist das kein Problem.
Der Hauptheld des Tages ist Alex. Schon nach dem Aufwachen hat er den Sinnspruch seines verstorbenen Vaters memoriert: "Einen guten Freund kann man daran erkennen, dass er einem Geld gibt." Ohne Geld und halb verhungert macht er sich dann mit weiteren Merksätzen aus Wittgensteins "Tractatus logicophilosophicus" auf die Schnorrertour. Im Fuchsbau kann er noch etwas Marmelade schlecken. Die offensichtlich rauschgiftabhängige Olga ist gerade mit Probeaufnahmen für den Film beschäftigt und hat für ihn sowieso keine Zeit. Auch bei den Jungfilmern Stefan, Reinhard und Rob hat er jeden Kredit verspielt. Als er es bei ihnen mitten während der Dreharbeiten dennoch versucht, bekommt er zwar kein Geld, dafür eine Statistenrolle, für die sich der völlig durchnässte Alex noch bis auf die langen Unterhosen ausziehen muss. Aber die Aufnahmen nehmen bald ihr endgültiges Ende. Die drei Jungfilmer verkrachen sich endgültig. Anscheinend ist es ihnen egal, ob sie sich, wegen ein paar tausend Mark, die Freunde von gestern zu Gegnern von heute machen. Sie isolieren sich auf ihre Weise. Alex zieht es zu den Auslagen der Feinkostläden. Als er mit den letzten Pfennigen wieder einen Schnorreranruf machen will, findet er plötzlich 190 Mark in der Telefonzelle - und ist im siebten Himmel. Er trifft Stefan in einer Wirtschaft und zahlt ihm auch prompt seine Schulden zurück. Dann schauen beide noch bei Helga vorbei und müssen entdecken, dass sie mit Tabletten einen Selbstmord versucht hat. Sie können ihr gerade noch das Leben retten. Als sich alle spät in der Nacht wieder im Fuchsbau treffen, hat auch für andere ein schicksalsschwerer Tag ein Ende genommen. Hermann weiß allerdings noch nichts von seinem Schicksal, als er Schnüsschen, die einstige Hunsrücker Lehrmeisterin im Zungenkuss, zufällig am Bahnhof getroffen und zu sich eingeladen hat. Für John F. Kennedy hat sich aber am nasskalten 23. November 1963 das Schicksal schon erfüllt. Mitten in einer Filmvorführung von "Kleopatra" hat der Veranstalter dem entgeisterten Publikum die Ermordung Kennedys in Dallas mitgeteilt.


7. Film: Weihnachtswölfe (1963)

Weihnachten 1963 naht. Hermann bereitet sich auf sein ehrgeizig verfolgtes "Spuren"-Konzert vor, Schnüsschen ist immer dabei und zieht alles Organisatorische an sich. Das eigenwillige Konzert wird ein großer Erfolg. Ein besonders umfeierter Star wird dabei Evelyne, die das Konzert dem Andenken an Ansgar widmet. Dennoch bleibt Hermann danach fast ganz allein, weil sich seine Freunde zu Clarissa aufgemacht haben. Aber zumindest ist Schnüsschen um ihn und versetzt ihn wieder in die Zeiten seiner Hunsrücker Heimat zurück. "Du weißt ja gar nicht, was die intellektuellen Weiber mit einem machen." gesteht er der Reiseleiterin, verfällt immer mehr ins Hunsrücker Platt und macht ihr schließlich einen Heiratsantrag. Volker ist in dieser Zeit bei Jean-Marie im herrschaftlichen Stammhaus bei Straßburg eingeladen. Er erinnert sich bei soviel Noblesse wehmütig an seine eigene Kindheit: "Ich war als Junge der einzige, den sie aufs Gymnasium geschickt haben. Meinen Vater hab ich kaum gekannt, den gibts eigentlich nicht." Stefan ist währenddessen mit Helga zusammen, die immer eigenwilliger wird. Das gemeinsame romantische Zusammensein auf einer weihnachtlich eingeschneiten Schweizer Berghütte gerät beiden bald zu einem Kampf bis aufs Messer. Und dem Paar Juan und Renate geht es ähnlich, auch wenn keine Handgreiflichkeiten entstehen.
Am schlimmsten hat es in diesen Tagen der Irrungen und Wirrungen Clarissa getroffen. In Rosenheim hat sie sich bei der Abtreibung einem Kurpfuscher anvertraut und eine Sepsis zugezogen. Im letzten Moment kann ihr lebensbedrohender Zustand von der Zimmerwirtin und Volker noch entdeckt werden. Clarissa wird vom Notarztwagen in die Klinik gebracht, wo auch bald Mutter Licht-blau eintrifft. Am Krankenbett ihrer Tochter fallt sie ohnmächtig um. Clarissa kann noch gerettet werden und muss sich dann, immer noch todkrank, von den Ärzten vorhalten lassen, dass sie mit der Abtreibung eine Straftat begangen hat.
Am Heiligen Abend wird Clarissa dann mit einem jungen Mutterglück im Nachbarbett konfrontiert. Sie beschließt, aus der Klinik zu fliehen, trifft aber im Gang auf ihre Mutter, die sie gerade besuchen will. Als beide wieder ans Krankenhausbett zurückkehren, erklärt ihr Mutter Lichtblau, vor Zorn bebend, was für eine Verbrecherin doch ihre Tochter geworden ist.
Später flieht Clarissa neuerlich, versucht erst bei Jean-Marie, dann bei Hermann Unterkunft zu finden. Hermann ist Weihnachten 1963 ganz allein im eiskalten Fuchsbau. Er heizt den Ofen an und bringt etwas Wanne in die Wohnung. Beide kuscheln sich im Bett aneinander, reden noch über Hermanns anstehende Heirat und sagen sich dann: "Wir lieben uns wie die Wölfe." 


8. Film: Die Hochzeit (1964)

Neujahr 1964 hat Schnüsschen noch zuhause in Schabbach im Hunsrück verbracht, wo der Misthaufen dampft und Vettern, Basen, Onkel und Tanten in der guten Stube durcheinanderreden. Ob Schnüsschen nicht auch bald heiraten will? Sie zieht die Schultern hoch.
Zurück in München macht sie mit Hermann erst einmal Babysitting bei ihrer engsten Freundin Elisabeth. Elisabeth ist Fotografin, ihr Mann Rolf ein berufsloser Mediziner. Elisabeth ist sehr haus-fraulich und auch allem Chinesischen gegenüber sehr aufgeschlossen. Was nun Schnüsschen betrifft, so zieht sie jetzt Hermann immer mehr ins kleinbürgerliche Fahrwasser, der auch immer mehr ins Hunsrücker Platt verfällt. Nur noch im Traum erinnert er sich an Clarissa, die mittlerweile in Paris mit ihrer Cellistinnen-Karriere weiterkommen will.
Hermann und Schnüsschen suchen sich eine Wohnung und können die misstrauischen Vermieter dadurch von ihrer Ehrbarkeit überzeugen, dass sie versprechen, so bald wie möglich den Trauschein beizubringen.
Im Sommer 1964 ist es so weit. Auch Marie-Goot und Pauline sind gekommen und haben auf ihrem Kleinauto allerlei nützliche Stühle und Teppiche festgezurrt. Hermann trägt Schnüsschen über die Schwelle des Fuchsbaus, eine Marschmusikkapelle und die im Hochzeitsstaat herausgeputzte Schwabinger Boheme hinter sich.
Der Festtisch biegt sich vom vielen Essen, und Marie-Goot steigt zur original Hunsrücker Alleinunterhalterin auf. Helga, Renate, Juan, Stefan, Reinhard, Rob, Olga, Alex, Evelyne, Volker. Jean-Marie, Clemens, Bernd, Elisabeth, Frau Moretti, Dr. Bretschneider, Frau Cerphal - alle sind sie da. Aber wie schon bei einem früheren Fuchsbau-Fest weicht die fröhlich-ausgelassene Blasmusik-Stimmung immer mehr dissonanten Klängen. Die Einzelnen werden sich feind. Helga macht sich unter den Augen von Stefan über den nächstbesten Mann her und treibt es mit ihm im Kellergeschoss. Olga kann von Rob kaum mehr davon abgehalten werden, immer mehr Opiate in sich hineinzuschütten. Schließlich ist auch Clarissa auf der Bildfläche aufgetaucht, um Hermann zu gratulieren, ist aber über die Wirrnisse zutiefst bestürzt. Das Brautpaar verlässt die Feier und macht es sich in den kahlen Wänden ihrer Zweizimmer-Neubauwohnung gemütlich. Somit ist zumindest Schnüsschen am Ziel ihrer Wünsche. Derweilen erreichen im Fuchsbau bei Wein und Schnaps die Streitereien und Eifersuchtsszenen ihren Höhepunkt. Der stille Juan greift mittendrin zum Gewehr, will sich erschießen, wird aber im letzten Moment noch daran gehindert. Frau Cerphal reicht es endgültig. Sie wirft die ganze Hochzeitsgesellschaft außer Juan aus ihrem Haus hinaus. Die alten Zeiten des Fuchsbaus sind vorbei und ganz neue kommen.


9. Film: Die ewige Tochter (1965)

Für Hermann und Schnüsschen kündigen sich die neuen Zeiten durch eine kleine Tochter an, Lulu, die sie in ihrer beengten Wohnung aufziehen. Clarissa ist dagegen auf Amerika-Tournee. Als sie wieder nach München zurückkommt muss sie feststellen, dass ihr wertvolles Cello beim Transport kaputt gegangen ist. Sie will ihre Karriere schon aufgeben, aber als sie Volker immer näher kommt, gibt es Perspektiven für eine neue Zukunft. Zusammen mit dem allseits gefeierten Pianisten gibt sie Konzerte und wird mit ihm auch ansonsten ein Paar. Jetzt schlägt die Stunde von Frau Cerphal. Bisher konnte sie zurecht von sich sagen: "Ich bin das Huhn, das keine Eier legt." Die Luftangriffe des Krieges sind spurlos an ihr vorüber gegangen, sie hat noch nie mit Toten zu tun gehabt. Aber jetzt ist es soweit, dass ihr patriarchalischer Vater bald sterben wird. Sie fährt zu ihm ins Altersheim, möchte schon jetzt mit ihm die letzten Dinge regeln und erhält auch den Schlüssel zum längst verkauften Cerphal-Verlag, in dem immer noch ein Büro für die Cerphals reserviert ist. Mitten in der Nacht macht sie sich in den Verlag auf, versucht in das Zimmer zu kommen und löst prompt Alarm aus. Erst auf dem Kommissariat klärt sich auf, dass sie tatsächlich Frau Cerphal ist. Dann liest ihr Juan, der sich als dienstbarer Geist bei ihr einquartiert hat, aus den Karten. Daraus geht hervor, dass ihr der Fuchsbau überhaupt nicht gehört. Frau Cerphal macht sich noch auf den Weg zur Universität, um dort schnell zu promovieren - Geologie wäre nicht schlecht, weil man viel herumkommt -, um die Bedingungen des väterlichen Testaments zu erfüllen. Aber dann kann sie sich im Cerphal-Verlag anhand der Dokumente tatsächlich überzeugen, dass es so ist, wie Juan gesagt hat. Das Haus hat eigentlich dem Kompagnon des alten Cerphal gehört, dem Juden Goldbaum, der es bei seiner Emigration in den 30er Jahren solange an Cerphal vermacht hatte, bis er wieder zurückkommen würde. Eines Nachts sitzt sie wieder im Cerphal-Büro, studiert die Dokumente und sieht plötzlich das imaginäre Bild ihres Vaters. Sie greift zum Revolver und schießt darauf. Nach Hause zurückgekommen, stellt sie fest, dass ganz andere davon Besitz genommen haben. Im Verlauf der Diskussion über die Notstands-Gesetze haben sich einige Studenten des Fuchsbaus erinnert und aus ihm Platz für permanente Diskussionen gemacht. Frau Cerphal ist perplex. Als ihr auch noch erklärt wird, dass der Innenminister "Wanzen" installieren würde, ist ihr alles klar. Frau Cerphal entrüstet: "Strauß und Höcherl installieren Wanzen, jetzt hören Sie aber auf mit ihrem Quatsch."
Mitten in den Krawall kommt dann die Nachricht, dass ihr Vater gestorben ist. Die Studenten ziehen schweigend ab, und Frau Cerphal macht sich an den Verkauf des Fuchsbaus, auf dessen Gelände ein pyramidenförmiger Stahlbetonbau mit Eigentumswohnungen entstehen wird.


10. Film: Das Ende der Zukunft (1966)

Reinhard kommt aus Mexiko zurück, wo er einen Dokumentarfilm gedreht hat. Im Kommentar heißt es dazu noch, dass ihm ein Chemiekonzern das Filmen dort ermöglicht hätte, wobei aber vieles ungesagt geblieben wäre. Reinhard will jetzt den Fuchsbau besuchen. Aber da, wo er einen wichtigen Teil seiner Vergangenheit verbracht hat, ist jetzt ein tiefes Erdloch. Fassungslos versucht er an dieser Stelle noch mit der Kamera Trauerarbeit zu leisten, muss aber einsehen, dass dies mit den Mitteln des Films nicht möglich ist. Mit einem von Hermann geschriebenen Requiem, das konzertant vor der Baugrube aufgeführt wird, trägt die ehemalige Gemeinschaft dann die alten Zeiten zu Grabe.
Reinhard macht sich nun an den Schnitt seines Dokumentarfilms, von dem man auf dem Bildschirm des Schneidetischs tief heranbrausende Flugzeuge auf südamerikanischen Baumwollfeldern sehen kann. Immer wieder wird er von der Lolita Trixi, der Schwester der Cutterin, bedrängt, sie doch in einem Film mitspielen zu lassen. Reinhard versucht sie los zu werden, wird aber aus-gerechnet durch ihre unkonventionelle Denkweise auf die Idee gebracht, nach Venedig zu fahren, um dort für ein neues Projekt von Frau Cerphals Nichte, Esther, Geld zu borgen. Reinhard bringt die Reise zu den in der Nacht gespenstischen Kanälen der Lagunenstadt aber noch viel mehr als bloß Geld ein: zum einen die Liebe der besessen fotografierenden Esther und zum anderen eine neue Filmidee - nämlich einen Film über Esther. Wie sich herausstellt hat Esther ein ganz besonderes Schicksal, das ihr jetzt erst klar wird und das sie innerlich zerreißt. Ihre Mutter war eine Jüdin aus der Goldbaum-Familie, ihr Vater aber der ehemals überzeugte Nazi Gattinger, der angebliche Finanzberater von Frau Cerphal. Damit ist auch klar, dass Esther um ihr Erbe betrogen worden ist. Nun taucht auch noch die unwissentliche Erbschleicherin Frau Cerphal nach einer Peru-Reise plötzlich in Venedig auf. Das Erbe ist fort. Frau Cerphal ist erledigt. Auf Anraten Gattingers hat sie sich auf Spekulationen mit französischen Kulturinstituten eingelassen und dabei das viele Fuchsbau-Geld verloren.
In München hat derweilen Renate unten im Keller eine Kneipe aufgemacht, das "U-Boot". Wenn man spät in der Nacht hinuntergeht, so kann man dort nicht nur Bier und Wein trinken, sondern auch zusehen, wie sie beispielsweise im Großaquarium komische, erotische Szenen aufführt. Hermann ist einer dieser Gäste, der sich ansonsten auf ein Kleinbürger-Idyll eingelassen hat. Clarissa erwartet in dieser Zeit ihr erstes Kind, Helga hat bereits eines. Als Reinhard zum Abschluss seines neuen Drehbuchs aus Venedig zurückkommt, treffen sich alle am Ammersee. Reinhard fährt mit dem Ruderboot auf den See hinaus. Plötzlich ist er verschwunden und wird nie wieder unter den Lebenden gesehen.


11. Film: Zeit des Schweigens (1967/68)

Das KZ-Gelände von Dachau. Esther sucht verbittert mit Hilfe ihres ungeliebten Vaters Gattinger und der Kamera die Vergangenheit, kann sie aber nicht finden. Frau Cerphal, die gerade ein paar fleißige Studenten zum Dissertations-Schreiben angestellt hat, ist ihr dafür erst recht keine Hilfe. Auch Clarissa ist aus der Bahn geworfen worden. Sie hat ihr Cello-Spiel aufgegeben, das Cello dem mysteriösen Dr. K. zurückgegeben und geht bei Kochen, Abwasch und Baby-Füttern im Alltag unter. Mit Hermann geht es dagegen steil bergauf. Gerade wie Schnüsschen das letzte Geld für ein sündteures Modellkleid zum Fenster hinausgeworfen hat, sieht er nämlich durch Zufall auf dem Zeitungspapier, in das der Fisch eingewickelt war, dass sein Musikstück bei den Filmfestspielen von Cannes einen Preis für die Musik bekommen hat. Er macht sich zum Chef der zu-ständigen Filmproduktions-Firma, Konsul Handschuh, auf und erfährt von ihm, dass man dort Großes mit ihm vorhat. Handschuh richtet ihm ein Betätigungsfeld, ein Musikstudio, ein und lässt ihn in seiner großen funktionierenden Firma experimentieren. Wie Hermann dann wieder zu Hause ist und die Erfolgsmeldung erzählen will, steht plötzlich Helga mit ihren Freunden vom SDS im haschischverqualmten Zimmer. Der SDSler zu Hermanns Tochter: "Wenn du groß bist, dann kommst du auch zum SDS." Hermann hat aber jetzt keinen Sinn für Politik, sondern widmet sich seiner neuen Aufgabe. Seine Musikexperimente sollen mit einem anderen Projekt gekoppelt werden, das der introvertierte Kameramann Rob bei Konsul Handschuh untergebracht hat. Es heißt "Varia-Vision". Rob gibt eine erste Vorstellung seines Filmprojekts in einem Bootshaus am Ammersee, indem er die Filmproduktionsmitglieder mit einem Schlitten unter den in vier Reihen gestaffelten und jeweils ein Kontinuum ergebenden Leinwänden hindurchziehen lässt. Alle stürzen sich nun in einen Arbeitsrausch, wobei Rob für das Filmen mit den aneinandergekoppelten Kameras und Hermann für die im Studio hergestellte elektronische Musik zuständig sind. Nur der Seitensprung mit der Sekretärin bringt Hermann in diesen strapaziösen Arbeitswochen etwas Entspannung. Aber dann ist es soweit. Der neugierigen Presse kann vom Konsul "Varia-Vision" vor-gestellt werden. Bei so enormem logistischen und technischen Aufwand sind natürlich Störungen zu erwarten, die Hausregisseur Zielke mit seinen Manipulationen noch enorm vermehrt. Als Konsul Handschuh die entnervten Presseleute in die "Varia-Visions"-Halle lässt, gibt es einen hellen Blitz und explosionsartige Funken. Rob wird vom Blitz geblendet und verliert sein Augenlicht. Erst Wochen später kann er die Augenbinde am Ammersee-Ufer wieder abnehmen und sieht als erstes ein Ruderboot auf dem See, gerade so als ob Reinhard darin sitzen würde.


12. Film: Die Zeit der vielen Worte (1968/69)

Es ist Achtundsechzig. Clarissa hat sich noch den mehr von Indien ausgehenden Wellen anvertraut, als sie sich einer amerikanischen Musikerinnen-Gruppe anschließt. Schnüsschen schwimmt dagegen auf der Polit-Welle mit, kauft Fromm, Marcuse, Adorno, Marx und Mao Tse Tung ein. Sie hat jetzt auch ihr Angestellten-Dasein aufgegeben und studiert Soziologie, holt sich sozial benachteiligte Rocker ins Haus und arbeitet bei der Drogenberatung. Ihren Ehemann Hermann, in den Konsul Handschuh grenzenloses Vertrauen setzt, sieht sie kaum mehr. Wenn er doch noch auftaucht, dann kann er nicht in sein Bett, weil darin ein Hippie-Mädchen ihren Drogenrausch ausschläft, oder er kann kaum zur Tür herein, weil die Polizei Schnüsschens Rockerfreunde gerade hindurchzerrt. Es kommt zum großen Krach, und Hermann verschwindet ins Zentrum der damaligen Ereignisse, Berlin.
Der Jungfilmer Stefan ist schon da. Nach einer langen Autofahrt durch die DDR ist er in einer Dahlemer Villa mit seiner Hauptdarstellerin Olga, die sich als Frau von Welt herausgeputzt hat, angekommen. Er will den Film "Die deutsche Angst" drehen, wobei alle Beteiligten auf die Realisierung des Films einwirken können. Die Psychodynamik des Teams wird stunden-, tage- und nächtelang in einer permanenten Diskussion ausdiskutiert. Olga, die Hauptdarstellerin, steht fassungslos daneben und hat keinerlei Ahnung, wozu sie noch existiert. Dazu betreiben die Teammitglieder noch Supervision, indem sie sich bei ihren Diskussionen mit der bereitstehenden Kamera gegenseitig abfilmen. Insbesondere Helga hat großen Einfluss darauf und lässt Stefan kaum noch Spielraum. Schließlich verletzt Stefan die Gruppenregel und kündigt dem Team die Beendigung des Films an. In der Dahlemer Villa brechen erst Misstrauen und schließlich totaler Krieg bis zur end-gültigen Vernichtung der einstigen Partner aus. Was aber die einstigen Partner nicht wissen können, ist, dass Stefan von amerikanischen Filmproduzenten bereits 80000 Mark dafür erhalten hat, dass er sein Projekt abbricht und ihnen den männlichen Hauptdarsteller überlässt. In einem Berliner Cafe ist Stefan auch Hermann über den Weg gelaufen. Hermann besucht gerade Katrin, Helgas Freundin, in ihrer Kommune. Natürlich ist es Hermann nur recht, wenn sich Katrin mit ihm ins Bett legt. Allerdings ist es kein richtiges Bett, sondern ein Matratzenlager, auf dem sich die übrigen Kommune-Mitglieder, voll mit LSD, Kokain und Mescalin, in Einstellungen mit höchstens einer Sekunde wälzen, so dass nur noch Zehntelsekundenbusen zu sehen sind.
Völlig dusselig im Kopf macht sich Hermann am nächsten Morgen auf den Weg zurück nach Bayern, während in Berlin die Kinderläden von den Nachbarn angezündet werden.


13. Film: Kunst oder Leben (1970)

In München ist Oktoberfest. Die Belegschaft von Konsul Handschuh rückt bei Milch- und Bier-Maßkrügen eng zusammen - schon deshalb, weil Schlägertypen, wie einst die SA, in der allgemeinen Bierseligkeit erst richtig in Stimmung kommen. Nach dem "Wiesn"-Besuch hört Hermann von Zielke, dem ehemaligen Regisseur einer Propagandakompanie, wie Handschuh sein kleines Imperium aufgebaut hat, indem er Kamera- und Negativmaterial aus Wehrmachtsbeständen über 1945 hinübergerettet und damit seine florierende Filmgesellschaft begründet hat. Hermann ist mittlerweile Kronprinz hei seinem väterlichen Förderer und Chef geworden und spricht seine ganzen väterlichen Neigungen so sehr an, dass der Konsul aus ihm auch seinen leibhaftigen Sohn machen will. Er und seine Frau können keine Kinder bekommen, und bieten ihm deshalb die Adoption an, was Hermann auch zum Alleinerben der ganzen Firma machen würde. Hermann weiß nicht, wie er sich dazu verhalten soll und erbittet Bedenkzeit. Er ist auch so schon ratlos genug geworden, was seinen bisherigen und künftigen Lebenslauf betrifft. "Man hat mit dreißig seine genialen Jahre hinter sich." meint er und sucht einen Rat. Fast alle ehemaligen Freunde sind fort, und vom asexuellen, zeitlebens frauenlosen Alex kann er nur erfahren, dass das Jahrhundert der Frauen da wäre. 
Über Clarissa erfährt er, dass sie mit ihrem neuen Frauenorchester auf Tournee ist. Genau von ihr erhofft er sich aber den entscheidenden Rat und macht sich mit der Bahn kurz entschlossen auf, um sie auf einer Station ihrer Tournee zu finden. Zuerst verpasst er sie immer wieder.  Statt dessen trifft er erst Renate, die ihm im Gepäcknetz des Zugabteils ihre neueste komische Nummer vorführt. Am Rhein verschlägt es ihn in einen Zirkus, wo Juan seine Akrobatenkünste vorführt. Schnüsschen ist auch dabei, geradezu als ob sie aus einer anderen Welt stammen würde. Dann wird der Zug, in dem Hermann gerade sitzt, infolge der Terroristenjagd, die mittlerweile auch Helga gilt und von der Stefan schuldlos eine MP-Garbe abbekommen hat, martialisch von der Polizei gestoppt. Nachdem auch noch das Schicksal von Alex klar geworden ist, den der Tod in seinem von Büchern überquellenden Zimmer ereilt, holt Hermann Clarissa doch noch in Amsterdam ein.
Erst schaut er ihrem neuen Stück zu, der "Hexenpassion". Dann kommt es nach langen zehn Jahren, in denen sie sich gesucht, aber nie gefunden haben, erstmals zu einer gemeinsamen Nacht in einem kleinen Hotelzimmer. Clarissa: "Es verging kaum ein Tag, wo ich nicht wusste, wo du bist." Am nächsten Tag ist sie fort. Hermann geht noch weiter in seine Vergangenheit zurück, nach Schabbach, wo ihn am Ortseingang Glasisch-Karl sofort erkennt. "Hermännsche, dau hast disch überhaupt nit verännert" meint er.