Informationen rund um die HEIMAT-Trilogie von Edgar Reitz

HEIMAT EUROPA Filmfestspiele mit Hommage an Edgar Reitz

Vom 7. bis 22. August finden in Simmern die achten HEIMAT EUROPA Filmfestspiele statt. In einer Pressekonferenz haben gestern die Organisatoren das diesjährige Programm vorgestellt.1

Edgar Reitz-Begeisterte dürfen sich auf eine zweiteilige Hommage an Edgar Reitz freuen, die von mir kuratiert wird und in diesem Jahr auch zwei kürzlich verstorbenen Weggefährten gewidmet ist:

Am zweiten Festivaltag, Samstag, dem 8. August, wird in einer Matinee um 11 Uhr der Film In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod gezeigt, den Edgar Reitz und Alexander Kluge gemeinsam (Regie, Drehbuch und Produktion, E. R. zudem z. T. Kamera) 1974 erschufen:

Programmheft der HEIMAT EUROPA Filmfestspiele 2026, S. 16

Ein sehr besonderer, selten gezeigter Film, der uns viel über den Zeitgeist der frühen 1970er Jahre aber auch über die Aufbruchstimmung der jungen Filmemacher, die sich mit dem Oberhausener Manifest gegen „Papas Kino“ gewandt hatten, verrät. Nach dem Tod von Alexander Kluge im März (hier können Sie den Nachruf von Edgar Reitz auf seinen langjährigen Freund lesen) ist Edgar Reitz übrigens der einzige noch lebende der 26 Revoluzzer von 1962.

Am Sonntag, 9. August, sehen wir Edgar Reitz zu Ehren und in Gedenken an Mario Adorf noch einmal Die Reise nach Wien (1973):

Programmheft der HEIMAT EUROPA Filmfestspiele 2026, S. 22

Zur Zeit seiner Entstehung traf der Film leider nicht den Geschmack von Kritik und Publikum: Eine Groteske, eine klassische Komödie über die Zeit des zweiten Weltkrieges mit einem Zeitversatz von nur 30 Jahren zu zeigen, das war allerdings durchaus ein Wagnis, wie sich zeigen sollte. Von der Filmbewertungsstelle in Wiesbaden wurde kein einziges Prädikat vergeben, nein, der Film für Feiertage sogar nicht freigegeben. Die allgemeine Kritik richtete sich vor allem gegen zwei Aspekte: Erstens die Darstellung der Vergnügungssucht der beiden Frauen, die als Beleidigung der deutschen Frauen im Krieg empfunden wurde, sowie die vermeintliche Geschmacklosigkeit, über Nazifunktionäre zu lachen, die unzählige Menschenleben auf dem Gewissen hatten. Aus heutiger Sicht erscheint dies anders, und der Film darf in seiner Qualität erstrahlen und rezipiert werden, insbesondere ein brillant aufgelegter Mario Adorf in einer tragikomischen Rolle als SS-Ortsgruppenführer in der Provinz, der es mit den weiblichen Counterparts, gespielt von Hannelore Elsner und Elke Sommer, nicht leicht hat.

Beide Aufführungen sind mit einem geselligen Rahmenprogramm verbunden, der Raum für einen Austausch über die Filme bietet. Details dazu finden Sie im Programmheft.

Tickets für die Veranstaltungen sind ab sofort über die Homepage des Pro-Winzkinos buchbar.

Ich freue mich, wenn wir uns in Simmern persönlich sehen!

Fußnoten
  1. In diesem Beitrag geht es um die Hommage an Edgar Reitz, ein ausführlicher Beitrag zum übrigen Programm folgt noch. []