Vom 7. bis 22. August finden in Simmern die achten HEIMAT EUROPA Filmfestspiele statt. In einer Pressekonferenz haben gestern die Organisatoren das diesjährige Programm vorgestellt.1
Edgar Reitz-Begeisterte dürfen sich besonders auf eine zweiteilige Hommage an Edgar Reitz freuen, die von mir kuratiert wird und in diesem Jahr auch zwei kürzlich verstorbenen Weggefährten gewidmet ist:
Am zweiten Festivaltag, Samstag, dem 8. August, wird in einer Matinee um 11 Uhr der Film In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod gezeigt, den Edgar Reitz und Alexander Kluge gemeinsam (Regie, Drehbuch und Produktion, E. R. zudem z. T. Kamera) 1974 erschufen:

Ein sehr besonderer, selten gezeigter Film, der uns viel über den Zeitgeist der frühen 1970er Jahre aber auch über die Aufbruchstimmung der jungen Filmemacher, die sich mit dem Oberhausener Manifest gegen „Papas Kino“ gewandt hatten, verrät. Wir zeigen den Film als Hommage an Edgar Reitz und in Gedenken an Alexander Kluge, der Ende März im Alter von 94 Jahren verstorben ist.
Die zeitgenössische Kritik lobte den Film für seine satirische Schärfe und surreale Inszenierung. Der Film wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) mit dem Prädikat „Besonders Wertvoll“ ausgezeichnet und gewann 1975 zwei Deutsche Filmpreise: Beate Mainka-Jellinghaus für den besten Schnitt und Alexander Kluge und Edgar Reitz für die Beste Musikdramaturgie.
Am Sonntag, 9. August, sehen wir Edgar Reitz zu Ehren und in Gedenken an den im April verstorbenen Mario Adorf noch einmal Die Reise nach Wien (1973):

Zur Zeit seiner Entstehung traf der Film leider nicht den Geschmack von Kritik und Publikum: Eine Groteske, eine klassische Komödie über die Zeit des zweiten Weltkrieges mit einem Zeitversatz von nur 30 Jahren zu zeigen, das war ein zu mutiges Wagnis, wie sich zeigen sollte. Von der Filmbewertungsstelle in Wiesbaden wurde kein einziges Prädikat vergeben, nein, der Film für Feiertage sogar nicht freigegeben. Die allgemeine Kritik richtete sich vor allem gegen zwei Aspekte: Erstens die Darstellung der Vergnügungssucht der beiden Frauen, die als Beleidigung der deutschen Frauen im Krieg empfunden wurde, sowie die vermeintliche Geschmacklosigkeit, über Nazifunktionäre zu lachen, die unzählige Menschenleben auf dem Gewissen hatten. Aus heutiger Sicht erscheint dies anders, und der Film darf in seiner Qualität erstrahlen und rezipiert werden, insbesondere ein brillant aufgelegter Mario Adorf in einer tragikomischen Rolle als SS-Ortsgruppenführer in der Provinz, der es mit den zwei weiblichen Counterparts, gespielt von Hannelore Elsner und Elke Sommer, nicht leicht hat.
Beide Aufführungen sind mit einem geselligen Rahmenprogramm verbunden, das auch Raum für einen Austausch über die Filme bietet. Details dazu finden Sie im Programmheft.
Tickets für die Veranstaltungen sind ab sofort über die Homepage des Pro-Winzkinos buchbar.
Ich freue mich, wenn wir uns in Simmern persönlich sehen!
Fußnoten