Informationen rund um die HEIMAT-Trilogie von Edgar Reitz

Werner Herzog wird 80 Jahre alt

Heute feiert Werner Herzog seinen 81. Geburtstag. Edgar Reitz hat ihn einmal als einen Seelenverwandten bezeichnet, gleichzeitig aber auch eingeräumt, sie seien aber auch “sehr konträr. Ein bisschen verrückt sind wir beide. Aber äußerlich gesehen ist es ein großer Unterschied, ob man sich in exotischen Urwäldern, Eis- und Schneelandschaften und Höhlen unter der Erde herumtreibt, oder ob man in ein Hunsrückdorf geht und 30 bis 40 Jahre lang jeden Stein herumdreht und meint, dort sei die Welt.”1

Die tiefe Verbundenheit der beiden Ausnahmeregisseure kam mehrfach auch öffentlich zum Ausdruck, etwa als Herzog schon Anfang der 1970er Jahre in einer Kübelkind-Episode einen leidenschaftlichen Hurenmörder spielte, oder 2015 den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München verliehen bekam und Edgar Reitz die Laudatio mit dem Titel Die Grenzen des Menschseins überschreiten hielt.2 Besonders zeigte sie sich aber darin, dass Werner Herzog 2012 in Die andere Heimat die Rolle des Alexander von Humboldt übernahm und in diesem Zuge Edgar Reitz zu seinem (abgesehen von einer Kübelkind-Episode) einzigen Cameo-Auftritt animierte.

Werner Herzog 1977 bei den Dreharbeiten zu La Soufrière – Warten auf eine unausweichliche Katastrophe

Werner Herzog überrascht immer wieder durch seine Vielfalt und Rastlosigkeit. Er hat auf fast allen Kontinenten der Welt (einschließlich der Antarktis) gedreht und lässt sich nicht auf ein Genre oder gar Thema festlegen. Zum Werk Werner Herzogs zählen fast 40 Langfilme, 10 Kurzfilme und 26 Dokumentarfilme.3 Er betätigt sich außerdem als Schriftsteller, unter anderem schrieb er Vom Gehen im Eis, eine Reisetagebuch, das seinen unter widrigsten Wetterbedingungen im November und Dezember 1974 vollzogenen Fußmarsch von München nach Paris beschreibt, “in dem sicheren Glauben, [seine im Sterben liegende Mentorin Lotte Eisner] werde am Leben bleiben, wenn ich zu Fuß käme”4 “Ein Stück große Literatur, ein ebenso eindrucksvoller wie dicht geschriebener Reisebericht, wie ein Text eines Künstlers, der sowohl die eigene Person als auch die Welt ständig hinterfragt.”5, urteilt die DW über das auch für Nicht-Cineasten lesenswerte Werk. Und möglicherweise auch der Weg, auf dem wir am zweitmeisten über den Menschen Werner Herzog erfahren – nur überboten von seiner vor genau zwei Wochen veröffentlichten Autobiographie.

Lieber Werner Herzog, zum runden Geburtstag wünschen wir Ihnen alles erdenklich Gute. Bleiben Sie gesund und munter, und lassen Sie weiterhin Ihrer unerschöpflichen Kreativität freien Lauf.


Mehr über Werner Herzog erfahren Sie im Special auf heimat123.de. Dort sind auch zahlreiche Videobeiträge verlinkt, mit deren Hilfe Sie tiefe Einblicke in Werner Herzogs Leben und Werk gewinnen können.

Zur Feier des Tages zeigt arte heute die Filme Fitzcarraldo (20.15 Uhr) und Flucht aus Laos (22.45 Uhr). Der Bayrische Rundfunk zeigt Herz aus Glas (23.35 Uhr). In der ARD Mediathek ist bis zum Monatsende sein Dokumentarfilm Meeting Gorbachev über den am 30.8. verstorbenen Michail Gorbatschow zu sehen.

Die Deutsche Kinemathek in Berlin widmet Werner Herzog derzeit eine Sonderausstellung.

Studiocanal hat am 1.9. eine Werner Herzog 80th Anniversary Edition mit acht Spielfilmen, sechs Dokumentationen und sechs Kurzfilmen (bzw. in der DVD-Ausgabe acht Spielfilme, zwei Dokumentationen und zwei Kurzfilme)6 herausgegeben. Genauere Informationen finden Sie hier.


Abbildungsnachweis

Quellenangaben
  1. Beat Presser: Aufbruch ins Jetzt. Der Neue Deutsche Film im Gespräch, Leipzig (Zweitausendeins) 2021, S. 246 🠕
  2. Sie können diese Laudatio hier mit freundlicher Genehmigung von Edgar Reitz herunterladen. 🠕
  3. vgl. Filmographie unter https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Herzog 🠕
  4. Werner Herzog: Vom Gehen im Eis. München-Paris 23.11. bis 14.12.1974, Frankfurt a. M. 2009, S. 4 (Vorbemerkung) 🠕
  5. https://learngerman.dw.com/de/texte-von-und-über-werner-herzog/a-16335017 🠕
  6. Enthaltene Filme: Aguirre, der Zorn Gottes (1972), Kaspar Hauser – Jeder für sich und Gott gegen alle (1974), Nosferatu – Phantom der Nacht (1979), Woyzeck (1979), Fitzcarraldo (1982), Cobra Verde (1987), Lektionen in Finsternis (1992), Rad der Zeit (2003), My Son, My Son, What Have Ye Done (2009), Königin der Wüste (2015); Extras: blu-ray-Ausgabe: Dokumentationen: Mein liebster Feind, Die Last der Träume, The White Diamond; Kurzfilme: Was ich bin, sind meine Filme; Die fliegenden Ärzte von Ostafrika; La Soufriere – Warten auf eine unausweichliche Katastrophe; Die beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreutz; Letzte Worte; Maßnahmen gegen Fanatiker; Wodaabe – Hirten der Sonne; DVD-Ausgabe: Kurzfilme La Soufriere – Warten auf eine unausweichliche Katastrophe und Glocken aus der Tiefe, Audiokommentare, Making of, Interviews, Featurette, Trailer u.v.m. 🠕